Bei extremer Trockenheit – immer bald Ernten !

Bei sich abzeichnender Trockenheit können folgende Empfehlungen aus den Erfahrungen der letzten Trockenjahre abgeleitet werden.

Gerade beim ersten Aufwuchs darf man die Ernte nicht zu spät ansetzen. Der erste Aufwuchs liefert nämlich sowohl den Hauptertrag vor allem aber auch die höchste Futterqualität im Jahr. Bei zu später Ernte verliert man immer einen hohen Anteil der wertvollen Pflanzenteile, nämlich die kleinen und feinen Blätter infolge von Bröckelverlusten - teils schon vor der der Ernte und zusätzlich bei der mechanischen Ernte. Gerade die zarten Pflanzeteile mit höchsten Energie- und Eiweißgehalten und niedrigem Rohfaseranteil gehen dabei verloren.

Wenn die Blätter der Gräser sich Einzurollen beginnen und diese typische starre Tracht annehmen ist es höchste Zeit für die Ernte. Weiters wird geraten, die Ernte nicht später als beim Erscheinen der Rispen oder Ähren zu beginnen. Dabei orientiert man sich an den Hauptleitgräsern, also der hauptsächlich dominierenden Grasart. In vielen Wiesen ist das Knaulgras diese Orientierungspflanze. Die frühe rechtzeitige Ernte hat auch den Vorteil, dass bei einem folgenden Regen die Narbe rasch nachwachsen kann. Zu späte Ernte des ersten Aufwuchses reduziert das Wachstum des nachwachsenden Folgeaufwuchses. Wer mit der Ernte zu lange wartet, verliert die besten Futterinhaltsstoffe. Die besten Blätter verwittern, zerbröseln und werden von Rottepilzen befallen. Die Aussagen gelten prinzipiell auch für die Heuernte.

N-Düngewirkung bei Trockenheit

Erfahrungsberichte zeigen, dass auch bei Trockenheit sachgerechte Düngung einen deutlichen positiven Einfluss auf den Ertrag hat. Gut mit Wirtschaftsdünger versorgte Bestände zeigen bei Trockenheit Überlegenheit im Ertrag, die aus der Depotwirkung des Stickstoffes aus dem Humus kommt. Letztlich heißt das, dass auch bei Trockenheit ausreichende N-Versorgung einen besseren Ertrag liefert als eine schwache Düngung, wie Lysimeterversuche überzeugend belegen. Bei gedüngten Wiesen mit guten Beständen gibt es auch keine nennenswerten Stickstoffverluste durch Auswaschung. Gute Wiesenbestände haben von allen Kulturen den niedrigsten Stickstoffaustrag, da die dicht durchwurzelte und geschlossene Humusdecke die Nährstoffe ausgezeichnet speichert.

Ausbreitung von Problemgräsern bei Trockenheit

Bei Trockenheit sind Wiesen mit höheren Anteilen unerwünschter Gräser wie Gemeiner Rispe besonders betroffen, da die hauptsächlich oberirdischen Kriechtriebe und flachen Wurzeln besonders leicht vertrocknen. Weiters breiten sich bei Trockenheit der unerwünschten Gräser: Weiche Trespe und Ruchgras aus. Sie sind sehr mäßig in Ertrag und Futterqualität und liefern hauptsächlich nur im ersten Aufwuchs Ertrag. Beide Arten begünstigt eine zu niedrige Nährstoffversorgung. Trockenheit und Vernachlässigung der Düngung begünstigen zudem die Ausbreitung der Giftpflanzen Jakobskreuzkraut und Wolfsmich. Die Ausbreitung unerwünschter Grasarten und obiger Giftpflanzen kann durch zwei Maßnahmen verhindert werden:

A) Die Aufrechterhaltung einer sachgerechten Nährstoffversorgung nach der geltenden Düngungsrichtlinie.
B) Die Vermeidung der Lückenbildung in Wiesen durch Neuanlage oder Über- und Nachsaat mit wuchsfreudigen Gräsern oder Kleearten, wie Knaulgras, Englisches Raygras und Rotklee bis ein zufrieden stellender Zustand erreicht wird. Die Wiederholung von Einsaaten mit 2 mal im Jahr mit je 10 kg/ha, bringt auch eine gewisse Risikoverteilung im Aufgang, für ungünstige Witterungsbedingungen.