Das Bastard-Raygras, Lolium xboucheanum, (Poaceae) in Österreich
von
Andreas BOHNER & Bernhard KRAUTZER

Zusammenfassung:
Die Gattung Lolium ist in Österreich mit fünf Arten und der interspezifischen

Hybride L. xboucheanum (= L. multiflorum x L. perenne) vertreten.
L. perenne (Englisches Raygras),
L. multiflorum (Italienisches Raygras) und
L. xboucheanum (Bastard-Raygras)
sind in klimatisch günstigen Gebieten und bei geeigneten Bodenverhältnissen raschwüchsige, konkurrenzkräftige, nährstoffbedürftige Grünland- und Feldfüttergräser. Sie zählen zu den qualitativ hochwertigen, ertragreichen und intensiv nutzbaren Pflanzensippen des Wirtschaftsgrünlandes und des Feldfiitterbaues.

Sie sind deswegen in zahlreichen Saatgutmischungen für Grünland als Mischungspartner enthalten. L. xboucheanum ist ein wichtiges Futtergras im Feldfiitterbau, eignet sich wegen mangelnder Trittresistenz jedoch nicht für Weiderasen. Es wird in Österreich weithin angebaut, außerdem verwildert es nicht selten und wird auch durch Rasenansaaten ausgebreitet.

Abstract: The Hybrid Ryegrass, Lolium xboucheanum, (Poaceae) in Austria.
The genus Lolium is represented in Austria by five species and by the interspecifichybrid Lolium xboucheanum (= L. multiflorum x L. perenne). In climatically favourable areas under suitable soil conditions

L. perenne,
L. multiflorum (Italian Ryegrass), and
L. xboucheanum

are rapidly growing, competitive, nutrient-demanding grasses. They are valuable forage grasses for intense usage with a high yield and excellent quality. Therefore, they are common constituents of seed mixtures. L. xboucheanum is a very important forage grass for ley farming and is therefore widely cultivated in Austria, but also spreading spontaneously. In most characters, the hybrid resembles L. multiflorum, the most significant feature is the length of the arista which usually is shorter than in L. multiflorum. The nothotaxon, like L. multiflorum, is less resistent than L. perenne to treading and therefore absent from pastures.

Key words: Lolium xboucheanum, L. multiflorum, L. perenne, diagnostic features, site demands, distribution in Austria, habitats, agricultural significance, seed mixtures.


Einleitung

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt in Österreich insgesamt 3 258 708 ha. Auf das Wirtschaftsgrünland (mehrmähdige Wiesen und Kulturweiden) entfallen 909.407 ha oder 28 %. Das Extensivgrünland (einmähdige Wiesen, Streuwiesen, Hutweiden, Almen und Bergmähder) erreicht ebenfalls einen Anteil von knapp 28 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche; dies entspricht 900 980 ha (Grüner Bericht 2006). Auf den Feldfutterbau (Klee/Gras, Luzerne, Rot-Klee und sonstige Kleearten, Wechselgrünland) entfallen insgesamt rund 165 475 ha (Österreichische Beschreibende Sortenliste 2006).

Jedes Jahr wird in Österreich eine Grünlandfläche von ca. 86 000 ha nach-, über- oder neu eingesät, wofür 1800 t Sämereiensaatgut verwendet werden. Davon entfallen 36.000 ha auf Flächen mit Feldfutterbau, der Saatguteinsatz hierfür beträgt jährlich über 9001 (Krautzer & Graiss 2006)..

Die Gattung Lolium aus der Familie der Echten Gräser (Poaceae) ist in Österreich mit fünf Arten (Fischer & al. 2008) und der interspezifischen Hybride L. xboucheanum = L. multiflorum x L. perenne vertreten. Drei davon, nämlich L. perenne (Englisches Raygras), L. multiflorum (Italienisches Raygras) und L. xboucheanum (Bas- tard-Raygras) zählen zu den qualitativ hochwertigen, ertragreichen und intensiv nutzbaren Grünland- und Feldfiittergräsem (Stählin 1971, Dietl 1982, Dietl & al. 1998). Sie haben eine große landwirtschaftliche Bedeutung, sind in zahlreichen Saatgutmischungen für Grünland als Mischungspartner enthalten (Krautzer & al. 2002) und kommen daher in Österreich im Wirtschaftsgrünland und in Feldfutterbeständen weit verbreitet vor. Die anderen drei Lolium-Arten, nämlich L. remotum (Lein- Lolch), L. temulentum (Taumel-Lolch) und L. rigidum (Steif-Lolch) zählen zu den sehr seltenen oder ausgestorbenen Ackergräsem und werden in dieser Arbeit nicht weiter beschrieben.

Neben der interspezifischen Hybride L. xboucheanum gibt es auch noch spontan oder züchterisch entstandene Hybriden zwischen L. perenne und L. multiflorum einerseits sowie Festuca arundinacea, F. gigantea und F. pratensis andererseits (FISCHER & al. 2008, Klapp & Opitz von Boberfeld 2006). Diese Gattungshybriden wie beispielsweise xFestulolium braunii (Wiesenschweidel; Festuca pratensis x Lolium multiflorum), xFestulolium loliaceum (Bastard-Schwingel; Festuca pratensis x Lolium perenne), xFestulolium pabulare (Rohrschweidel; Festuca arundinacea x Lolium multiflorum) oder xFestulolium hombergii (Rohr-Schwingel-Lolch; Festuca arundinacea x Lolium perenne) sind in den österreichischen Saatgutmischungen als Mischungspartner nicht enthalten, sie dürften in Österreich hinsichtlich flächenmäßiger Verbreitung und mengenmäßigem Auftreten eine geringe Bedeutung haben und werden daher in dieser Arbeit ebenfalls nicht weiter beschrieben.

Das Bastard-Raygras ist ein züchterisch entstandenes Kreuzungsprodukt aus L. perenne und L. multiflorum (Klapp & Opitz von Boberfeld 2006). Die beiden Eltem- sippen hybridisieren auch spontan unter natürlichen Bedingungen (Petersen 1992). Der zurzeit gebräuchliche wissenschaftliche Name ist L. xboucheanum (Klapp & Opitz von Boberfeld 2006). Allerdings wird in zahlreichen Bestimmungsfloren (z.B. Hubbard 1985, Kaltofen & Schräder 1991, Petersen 1992, Hegi 1998, Dietl & al. 1998) auch der botanische Name L. xhybridum als Synonym verwendet.

Das Bastard-Raygras ist ein wichtiges Futtergras im Feldfutterbau. Unter Feldfutterbau versteht man den kurz- (1-2 Nutzungsjahre) bis mittelfristigen (3-5 Nutzungsjahre) Anbau von Klee und Futtergräsem auf Ackerflächen (Buchgraber & al. 1994). Die Feldfutterbestände werden in Österreich - je nach Standort - vier- bis sechsmal pro Jahr gemäht und als Silage konserviert oder als Grünfutter verwendet. Gedüngt wird im Regelfall mit Wirtschaftsdüngem. Die Feldfutterbestände unterscheiden sich physiognomisch und floristisch deutlich von den Dauerwiesen (Bohner & Sobotik 2000). Im Allgemeinen handelt es sich um relativ arten- und kräuterarme Klee-Gras-Bestände. Wichtige Mischungspartner mit den angesäten Futtergräsem (Bastard-Raygras, Englisches Raygras, Wiesen-Knäuelgras, Wiesen-Schwingel,Wiesen-Lieschgras, Glatthafer) sind Saat-Rot-Klee, Weiß-Klee, Echt-Luzeme sowie fallweise Schweden-Klee und in einsömmerigen Klee/Gras-Mischungen Alexandri- ner-Klee oder Perser-Klee. Die Feldfutterbestände sind innerhalb des Grünlandbetriebes sehr intensiv genutzte Flächen. Sie liefern höchste Trockenmasse-Erträge und beste Futterqualität. Feldfutter-Intensivmischungen, Rotklee/Gras- und Klee/Gras- Mischungen für milde und mittlere Lagen enthalten Bastard-Raygras. Das Englische Raygras ist zusätzlich in Wechselwiesenmischungen und Nachsaatmischungen ein wichtiger Mischungspartner. Wechselwiesen sind angesäte Wiesen in der Fruchtfolge des Ackers. Sie werden sechs bis zehn Jahre als Wiese genutzt (Buchgraber & al. 1994). Die Pflanzenbestände weisen in den ersten Nutzungsjahren floristisch und physiognomisch einen feldfutterartigen Charakter auf. Sie entwickeln sich mit zunehmendem Bestandesalter in Richtung Dauerwiese. In den Wechselwiesenmischungen sind Arten des Feldfutterbaues mit Arten des Dauergrünlandes kombiniert. Die unterschiedlichen Nachsaatmischungen dienen zur Nachsaat auf Dauergrünland und Feldfutterbeständen. Dauergrünland wird permanent als Wiese, Weide oder Mähwei- de genutzt. Es findet weder ein Umbruch noch eine ackerbauliche Nutzung innerhalb von zehn Jahren statt (Buchgraber & al. 1994). Unter Nachsaat versteht man das Ausbringen von Saatgut auf eine bestehende, mehr oder weniger lückige Grasnarbe mit dem Ziel, sie möglichst rasch zu schließen.

Für das Bastard-Raygras werden derzeit 7 Sorten für den Anbau in Österreich empfohlen (Österreichische Beschreibende Sortenliste 2006). Der jährliche Einsatz in Saatgutmischungen beträgt 80-100 t, der Großteil stammt aus inländischer Produktion. Von Italienischem Raygras werden in Österreich 20 Sorten empfohlen, der jährliche Verbrauch in landwirtschaftlichen Mischungen liegt bei etwa 120 t. Für das Englische Raygras werden derzeit 31 Sorten empfohlen; es werden jährlich ca. 300 t in Saatgutmischungen für alle Nutzungsrichtungen eingemischt. Sowohl beim Bastard- Raygras als auch beim Italienischen Raygras und Englischen Raygras werden diploide und tetraploide Sorten angeboten. Das Saatgut von Italienischem und Englischem Raygras kommt großteils aus dem Ausland (insbesondere Deutschland, Niederlande, Dänemark).

Obwohl L. xboucheanum in Österreich vor allem als Kultursippe eine große Bedeutung hat, eine relativ weite Anbauverbreitung aufweist, in gut raygrasfähigen Gebieten auch ohne Ansaat in Dauerwiesen mit hohen Deckungsgraden Vorkommen kann, sich generativ fortpflanzt und eine natürliche Hybridenbildung zwischen L. perenne und L. multiflorum möglich ist, wird das Bastard-Raygras in FISCHER & al. (2005) noch nicht erwähnt. Außerdem ist in den grundlegenden Bestimmungsfloren wie beispielsweise Hess & al. 1976, Volger 1982, Hubbard 1985, Kaltofen & Schräder 1991, Petersen 1992, Dietl & al. 1998, Hegi 1998, Conert 2000, Oberdörfer 2001, Fischer & al. 2008 und Klapp & Opitz von Boberfeld 2006 keine brauchbare Bestimmungshilfe für L. xboucheanum enthalten; das Bastard-Raygras wird meist nur als Anmerkung angeführt. In der britischen Flora von Stace (1997: 852) wird es allerdings samt Merkmalsangaben sehr wohl behandelt.

Das Ziel dieser Arbeit ist es daher,
• die Bestimmungsmerkmale und Abgrenzungskriterien,
• die Standortsansprüche innerhalb Österreichs,
• die Verbreitung in Österreich,
• die Lebensräume,
• den landwirtschaftlichen Wert und Verwendungszweck sowie
• die Gefährdung von L. xboucheanum einschließlich der Eltemarten L. perenne und L. multiflorum darzustellen.

Diagnostische Merkmale
In der Tab. 1 sind charakteristische Unterscheidungsmerkmale von L. perenne, L. multiflorum und L. xboucheanum angeführt. Detailliertere morphologische Merkmale von L. perenne und L. multiflorum sind den speziellen Bestimmungsfloren (z. B. Hess & al. 1976, Volger 1982, Hubbard 1985, Kaltofen & Schräder 1991, Petersen 1992, Dietl & al. 1998, Hegi 1998, Conert 2000, Oberdörfer 2001, Fischer & al. 2008, Klapp & Opitz von Boberfeld 2006) zu entnehmen. Die Blattfarbe, die Breite der Blattspreite und die Wuchshöhe sind generell problematische Bestim- mungs- und Unterscheidungsmerkmale, da sie von vielen Faktoren wie Sorte, Lichtverhältnisse, Nährstoffangebot und Konkurrenzsituation abhängen. Unter extremen Nährstoffbedingungen können sich Hungerexemplare und Mastexemplare hinsichtlich dieser morphologischen Merkmale deutlich von der Normalform unterscheiden.

Tab. 1: Diagnostische Differenzialmerkmale von L. perenne, L. multiflorum und L. xbocheanum. -
Tab. 1: Diagnostic differential features of L. perenne, L. multiflorum, and L. xboucheanum.

Merkmal L. perenne L. multiflorum L. xboucheanum Blattanlage jüngstes Blatt gefaltet jüngstes Blatt gerollt jüngstes Blatt gerollt Blattfarbe meist dunkelgrün eher dunkelgrün meist hellgrün Blattspreite 2-4 mm breit 5-10 mm breit 4-10 mm breit Blatthäutchen höchstens 2 mm lang etwa 2 mm lang etwa 2 mm lang Blattöhrchen deutlich sehr deutlich sehr deutlich Deckspelze unbegrannt oder gran begrannt (Granne begrannt (Granne meist nenspitzig meist 6-10 mm lang) 3-7 mm lang) Wuchshöhe Pflanze bis 60 cm Pflanze bis 100 cm Pflanze bis 100 cm Lebensdauer mehrjährig bis ausdauernd ein- bis zweijährig zweijährig bis wenige Jahre ausdauernd Verwechslungsmöglichkeit mit Cynosurus cristatus Festuca pratensis Festuca pratensis

Gemeinsame Merkmale der Eltemarten und der Bastardsippe sind: Die Pflanzen sind Wintergrün; der Triebgrund ist purpurrot; die Laubblattspreite ist oberseits stark gerillt, unterseits glatt und glänzend. Die ganze Pflanze ist kahl.

Beim Bastard-Raygras ist das jüngste Blatt gerollt. Die Blattspreite ist bei gut entwickelten Pflanzen in der Regel 4-10 mm breit. Das Blatthäutchen ist etwa 2 mm lang, durchsichtig und deutlich sichtbar. Auch das Blattöhrchen ist gut ausgebildet. Die Deckspelze ist begrannt, die Länge der Granne beträgt etwa 3 bis 7 mm. Die Pflanzen erreichen eine Höhe von bis zu 100 cm. Die Blattfarbe ist meist hellgrün. Das Horstgras ist mittelhoch und zweijährig bis wenige Jahre ausdauernd.

L. xboucheanum kann sowohl im blühenden als auch im nicht blühenden Zustand eindeutig von L. perenne vor allem durch die breiteren Blätter und die begrannte Deckspelze unterschieden werden. L. xboucheanum ähnelt bezüglich der morphologischen Merkmale überwiegend L. multiflorum-, eine genau intermediäre Merkmalskombination zwischen den Eltemarten L. perenne und L. multiflorum ist eher selten. Eine sichere Unterscheidung der beiden Raygräser L. xboucheanum und L. multiflorum ist nur im blühenden Zustand möglich; für eine zuverlässige Bestimmung sind daher gut entwickelte, blühende Pflanzen unbedingt notwendig. Das einzige wirklich zuverlässige Unterscheidungsmerkmal zu L. multiflorum ist die Länge der Granne; diese ist beim Bastard-Raygras deutlich kürzer (meist um 50-70 %). Ein weiteres Differenzialmerkmal ist die Blattfarbe. Sie ist bei L. xboucheanum in der Regel hellgrün und bei L. multiflorum eher dunkelgrün. Allerdings haben die Nährstoffverfüg- barkeit im Boden (insbesondere Stickstoff-Versorgung) und die Sorte einen wesentlichen Einfluss auf die Blattfarbe.

L. xboucheanum und L. multiflorum können im jungen blütenlosen Zustand mit dem Wiesen-Schwingel (Festuca pratensis) verwechselt werden; im blühenden Zustand sind die genannten Raygräser vom Wiesen-Schwingel allerdings leicht zu unterscheiden. Beim Wiesen-Schwingel ist das Blatthäutchen sehr kurz (0,5-1 mm lang), gestutzt, grünlich und steif. Es ist kürzer als der Spreitengrund und deshalb von der Seite her nicht sichtbar. Beim Italienischen Raygras und beim Bastard-Raygras ist das Blatthäutchen länger (etwa 2 mm lang), durchsichtig und es fallt zusammen, wenn man das Blatt vom Halm wegzieht. Es ist etwas länger als der Spreitengrund und daher auch von der Seite her sichtbar.

Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht im blütenlosen Zustand auch zwischen Englischem Raygras und Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus). Bei beiden Arten ist das jüngste Blatt gefaltet, die Blätter sind kahl, in der Regel dunkelgrün, etwa 2-4 mm breit, oberseits stark gerillt, unterseits glatt und glänzend. Allerdings ist beim Wiesen-Kammgras das Blatthäutchen kürzer (1-2 mm lang) und vom am Halm leicht emporgezogen. Blattöhrchen sind im Gegensatz zum Englischen Raygras nicht vorhanden. Außerdem ist der Triebgrund gelbbraun; bei den Raygräsem hingegen ist der Triebgrund purpurrot.

Standortsansprüche, Verbreitung in Österreich, Lebensräume, landwirtschaftlicher Wert und Verwendungszweck, Gefährdung

Die drei Sippen haben viel gemeinsam: Sie sind lichtbedürftig und bevorzugen frische bis mäßig feuchte, basen- und nährstoffreiche Mineralböden, alle meiden stark versauerte, nährstoffarme Böden sowie nasse und trockene Standorte. Sie lieben ozeanisch beeinflusstes Klima und sind ziemlich frostempfindlich, am stärksten das mediterran-zentrierte L. multiflorum. Bei langandauemder Schneebedeckung werden die Pflanzen häufig von Schneefäule-Pilzen (Microdochium nivale, verbreitet auch Typhula incarnata) befallen und sterben ab. Alle drei sind raschwüchsig und zählen zu den qualitativ hochwertigen, ertragreichen und intensiv nutzbaren Futtergräsem.

Lolium xboucheanum. das Bastard-Raygras,
erträgt bei optimalen Standortsbedin- gungen bis zu sechs Schnittnutzungen pro Jahr. Die Blütezeit reicht von Juni bis Ende August; jeder Aufwuchs wird fertil. Diese weide- und trittempfindliche Hybridsippe wird in Österreich vor allem im Feldfutterbau verwendet. Das Bastard-Raygras weist eine vergleichsweise höhere Lebensdauer und bessere Winterhärte als das Italienische Raygras auf. In den angesäten Feldfutterbeständen ist L. xboucheanum insbesondere in den ersten Nutzungsjahren meist Hauptbestandesbildner. Das Bastard- Raygras ist ein ausgesprochenes Feldfuttergras und fehlt daher in Dauerwiesen, Mähweiden und Dauerweiden weitgehend. Nur in gut raygrasfahigen Gebieten kann L. xboucheanum auch ohne Ansaat in Dauerwiesen mit hohen Deckungsgraden Vorkommen und sich generativ ausbreiten. Solche gut raygrasfahigen Standorte befinden sich in Österreich in erster Linie im Rheintal, im Flachgau und im Innviertel. Das Bastard-Raygras ist bei optimalen Boden- und Klimaverhältnissen überaus konkurrenzstark und wird - ebenso wie L. perenne und L. multiflorum - durch Stickstoff- Düngung und höhere Schnittfrequenz stark gefördert. Daher begünstigt in gut raygrasfahigen Gebieten eine relativ intensive Grünlandbewirtschaftung die spontane Ausbreitung von L. xboucheanum. Es wird in allen österreichischen Bundesländern von der collinen bis zur montanen Stufe angebaut und verwildert auch nicht selten. Das Bastard-Raygras ist außerdem in einigen Saatgutmischungen für den Landschaftsbau als Mischungspartner enthalten. Daher kommt L. xboucheanum in Österreich mitunter auch an Straßenböschungen und Wegrändern vor.

Lolium multiflorum. das Italienische Raygras,
ist stärker wärmebedürftig; günstig sind Gebiete mit über 900 mm Jahresniederschlag und einer mittleren Jahrestemperatur zwischen 8 und 9 °C (Dietl & al. 1998). Diese Art erträgt bei optimalen Standortsbedingungen bis zu sechs Schnittnutzungen pro Jahr. Die Blütezeit reicht von Juni bis Ende August; jeder Aufwuchs wird fertil. Aufgrund seiner Weide- und Trittempfindlichkeit fehlt L. multiflorum in Dauerweiden und Mähweiden weitgehend. Wegen seiner hohen Ansprüche an das Klima und seiner geringen Ausdauer wird es vorwiegend in Feldfutterbaumischungen mit ein- bis zweijähriger Nutzungsdauer verwendet. Der ein- bis zweijährige Therophyt bis Hemikryptophyt kommt verwildert bis eingebürgert in Österreich in allen Bundesländern vor (Fischer & al. 2008), und zwar, wie die beiden anderen Sippen, von der collinen bis in die montane Stufe. Die Hauptverbreitung dieses ausgesprochenen Mähwiesen- und Feldfiittergrases dürfte allerdings aus klimatischen Gründen in den Gunstlagen des Alpenvorlandes liegen. In gut raygrasfahigen Gebieten ist das Italienische Raygras bei optimalen Bodenverhältnissen auch ohne Ansaat in Dauerwiesen vertreten. Außerdem ist die Art auch in einigen Saatgutmischungen für den Landschaftsbau als Mischungspartner enthalten. Daher kommt L. multiflorum in Österreich neben den Feldfutterbeständen, wo es hohe Deckungsgrade erreichen kann, mitunter auch an Straßenböschungen und Wegrändern vor.

L. perenne. das Englische Raygras,
ein mehrjähriger bis ausdauernder Hemikryp- tophyt sowie ein hörst- und rasenbildendes Untergras ist bei optimalen Standortsbedingungen überaus trittresistent, weide- und vielschnittverträglich. Daher kommt das Englische Raygras vor allem in intensiv genutzten Dauerweiden und Mähweiden, in Vielschnittrasen (Garten- und Parkrasen, Sportrasen, Golfplätzen) und in Trittpflan- zengesellschaften vor. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni; nur der erste Aufwuchs wird fertil. L. perenne kommt in Österreich in allen Bundesländern wildwachsend vor (Fischer & al. 2008), und zwar gleichfalls von der collinen bis montanen Stufe; es ist von den drei hier behandelten Raygräsem die häufigste und am weitesten verbreitete Art in Österreich. Das Englische Raygras ist aus landwirtschaftlicher Sicht betrachtet in Gebieten mit ozeanisch beeinflusstem Klima das wertvollste Futtergras der intensiv genutzten Dauer- und Mähweiden. Es ist ein ausgesprochenes Weidegras und deswegen auch Assoziationskennart der Weidelgras-Weiden (Lolio perennis- Cynosuretum). In ein- bis dreischnittigen Dauerwiesen kommt L. perenne auf Grund von Lichtmangel und zu geringer Winterhärte in der Regel nicht vor; es kann allerdings im Falle einer Nachsaat im Pflanzenbestand vorübergehend enthalten sein. Das Englische Raygras ist ein wichtiger Mischungspartner in Saatgutmischungen für Dauerweiden, Mähweiden, Wechselwiesen und für den Feldfutterbau sowie eine wesentliche Komponente der Nachsaatmischungen. Sie wird auch bei der Ansaat von Rasenflächen für nichtlandwirtschaftliche Zwecke (Garten- und Parkrasen, Sportrasen, Golfplätze) und im Landschaftsbau bevorzugt verwendet. Das Lebensraumspektrum von L. perenne ist somit relativ breit. Alle im Wirtschaftsgrünland und in Feldfutterbeständen vorkommenden Raygräser (L. perenne, L. multiflorum, L. xboucheanum) sind auf Grund ihrer weiten Anbauverbreitung oder wegen ihres häufigen natürlichen Vorkommens in Österreich derzeit nicht gefährdet; sie zählen daher keinesfalls zu den Rote-Liste-Arten.

Danksagung Für die kritische Durchsicht des Manuskripts und für zahlreiche Hinweise danken wir Prof. Dr. M. A. Fischer.

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Anschrift der Verfasser: Dr. Andreas BOHNER und Dr. Bernhard KRAUTZER, Lehr- und Forschungszentrum für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (LFZ), Raumberg 38, A-8952 Irdning;


Abgeschriebener Text und damit im ACII-Format durchsuchbarer Webtext aus der Quelle:
http://www.raumberg-gumpenstein.at/cm4/de/component/jdownloads/viewdownload/860-umweltressourcen-im-gruenland/12546-das-bastard-raygras-lolium-boucheanum-poaceae-in-oesterreich-the-hybrid-ryegrass-lolium-boucheanum-poaceae-in-austria.html

Publiziert laut Quelle in
Neilreichia 5: 245-252 (2008)
auch auffindbar unter

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/NEIL_5_0245-0252.pdf