Guten Tag Herr Humer,

mit viel Interesse verfolge ich Ihren Internetauftritt. Ich hab noch nicht alles durch, aber das was ich gelesen habe ich finde ich sehr interessant.Habe mir zum Teil auch die Augen geöffnet.

Nun zu meiner Person: Ich komme aus Deutschland, besser gesagt aus Baden Württemberg. Wir haben einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit Mütterkühen. Wir haben nur Grünland, die Äcker wurden in Grünland umgewandelt (schon vor 15 Jehre).Wir betreiben die Lanwirtschaft ökologisch. Ich bin kein gelernter Landwirt, sondern Maschinenbauingenieur. Aber mein Herzblut gehört meinen Wiesen, Nun zum Standort, wir liegen auf knapp 500m mit rund 850mm Niederschlag.Wir haben sehr schweren Boden, Opaliston mit wenig Humusauflage (BP 10-30 nach Klapp). Also weit enfernt von einem Gunststandort.

Nun zu meiner Frage bzw. Problem:
Letztes Jahr hatten wir eine extreme Trockenheit und nun fehlt dieses Jahr vorallem in den Südhängen der Weisklee. Der Ertrag ist dieses Jahr auch nicht berauschend, nicht schlecht könnte aber besser sein. Aber vorrangig geht mir es mehr um die Qualtität. Nun möchte ich dieses Jahr ihre (KampfMischung mit Knaulgras, Deutschem Weidelgras, Weiss- und Rotklee ausprobieren. Wo ich keine Erfahrung habe ist bei Rotklee. Hier bin ich bei der Sortenwahl überfragt. Können Sie mir welche empfehlen? Ich war immer mal wieder in Korrespodenz mit Prof. Dr. Elsässer von LAZ Aulendorf. Er empfiehlt Rotklee nicht, aber die testen ihre Mischungen in Alpenvorland mit optimalen Bedingungen, die bei mir nicht herschen.
Meine Sorge liegt darin, dass ich den Rotklee nicht auf Dauer halten kann und wieder eine lückige bzw. verunkrautete Wiese entseht. Vielleicht können Sie mir ein paar Tipps geben.

Vielen Dank vorab.
Mit freundlichen Grüßen,
R W


Sehr geehrter Herr W,
Danke für Ihr Interesse.
Wenn Sie auf trockenen Südhängen mehr Klee haben wollen, würde ich mehr den Hornklee neben etwas Rotklee und nur einwenig Weißklee für die gelegentlich feuchteren Jahre säen. Zusätzlich würde ich dort Glatthafer mit ca 40% einsetzen, da er für solche Standorte besonders gut wächst. Falls der durch intensive Nutzung zurückgeht, sät man ihn einfach wieder nach. So wie man Glatthafer auch in Feldfuttermischungen intensiv nutzen (3-5x/Jahr) kann, kann man das auch in Wiesen mit wiederholtem Saatgutnachschub und genetischer Auffrischung tun. Mit Glatthafersaatgut muss man sich aber rechtzeitig versorgen, denn nicht immer ist es verfügbar und etwas teurer ist es auch in den letzten Jahren geworden.

Natürlich Rotklee, kann man nicht wie im Ackerbau in grossen Mischungsanteilen säen, weil das seine Fruchtfolgeansprüche überfordert. In mäßigen Flächenanteilen von 10-15% werden seine Fruchtfolgeansprüche noch nicht überstrapaziert. Dazu verwendet man 3-5 kg/ha. Wer vorsichtig ist fängt mit 3 kg/ha an, denn er kann mitunter bei der ersten Einsaat auch plötzlich zu stark werden. Später beobachtet man den Rotklee Anteil genau, und dosiert die ohnehin notwenigen Folgeeinsaaten nach der Rotkleeentwicklung. Natürlich, Rotklee wird sich auf Grund seiner Kurzlebigkeit nur 2-3 Jahre halten und es ist daher auch immer wieder eine Nachjustierung durch neuerliche Einsaaten notwendig und ein Sortenwechsel günstiger. Über 20% sollte Rotklee Anteil sollte man nicht kommen, da die Sklerotionia Krankheit mit Absterben und völligem Verschwinden von Rotklee für längere Jahre stärker begünstigt wird.

Meine Sorten- und Mischungszusammenstellung mit AGES geprüften Grünland Futtersorten finden Sie unter:
http://futterwiesenexpertehumer.wikispaces.com/Gr%C3%A4ser+und+Klee+Sorten+aus+der+AGES+Sortenpr%C3%BCfungmit+Ertr%C3%A4gen+und+Sorteneigenschaften
Über die besten Rotkleesorten informiert man sich immer zuerst bei den Landessortenämtern, da dort die meisten Erfahrungen bestehen. In Österreich gibt es neben der AGES Bundessortenprüfung auch eine das ÖAG-Sortenhandbuch (http://www.oeag-gruenland.at/) mit besonders empfohlenen und beobachteten Sorten. Primär wichtig ist, dass der Rotklee einmal anwächst, und später kann man sich auch Futter noch mit den Sorten verbessern.
Nach dem derzeitigen Wissenstand, würde ich für eine Wiesenanlage eine örtlich geeignete Dauerwiesenmischung verwenden, da sich durch ihre höhere Artenvielfalt dabei die geeignetsten Arten selbst selektieren und sich jene durchsetzen die sich dort am besten entwickeln können. Nach etwa 3 Jahren, verschwinden oft bereits bestimmte nicht so geeignete Futterarten je nach Standort und dann ergänzt man diese durch durchsetzungsfähige und ertragreichere Arten mittels wiederholter Nachsaat, bis man die gewünschten Anteile erreicht.

Meine Kampfmischungen bzw die späteren Ertragsmischungen, sind vor allem zu Ergänzung der wichtigen ertragsbestimmender und durchsetzungsfähiger Futtergräser und Kleearten konzipiert. Als Neuanlagenmischung würde ich sie nicht verwenden, da sie nach meiner Erfahrung ein zu einseitiges Futter ergeben. Das gilt auch für die diversen Nachsaatmischungen im Handel.

Meiner Meinung nach geht aber die wirtschaftliche Bedeutung der Wiesen als Futterquelle immer mehr und stärker zurück, da sich am Acker in verschiedenen Regionen meist ein viel billigeres Feldfutter oder Tierfutter wie hier in Ungarn erzeugen lässt. Hier in Westungarn werden Wiesenaufwüchse in Natura 2000 Regionen nur mehr als Einstreu einmal genutzt, da sie auch nicht gedüngt und eingesät werden dürfen, obwohl sie ertragreiches Futter hier in den überschwemmungsgefährdeten Ebenen produzieren könnten. Dennoch haben Wiesen in vielen benachteiligten Regionen noch eine breite Bedeutung als Einkommensquelle mangels besserer verfügbarer Futterquellen.

Mit besten Grüssen, derzeit in Ungarn
Johann HUMER
Futterwiesenexperte

Anfrage zur Wiesen Einsaat von Rotklee Weissklee Hornklee u Glatthafer in trockener Lage samt Antwort
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